Geschützt: Klausthal, Uckermark

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Geschützt: Silvesterfotos

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schlussendlich

Norwegen besuchten wir eindeutig mindestens eine Woche zu früh. Wir wunderten uns und staunten viel über die fulminante Landschaft, doch letzten Endes sorgte das nasse Wetter und verschiedenste andere kleine und große Gründe dafür, dass wir unsere Nordtour um 4 Tage verkürzten. Wir fuhren viele Kilometer sehr langsam durch dieses schöne Land und sahen Einiges, aber der Kurs blieb unverändert und zügiger werdend südwärts.

Insgesamt legten wir um die Ostsee 6000 km zurück, das Land hob und senkte sich teils sanft, teils dramatisch bis auf 1000müM, die Nächte, die wir oberhalb des Polarkreises verbracht haben waren „weiß“, wir haben Elche und Rentiere gesehen, aber wir empfehlen, so eine Runde etwas später im Jahr zu machen.

Nun sind wir wieder zuhause und ich schreibe heute den  vorerst letzten Beitrag.

Was kann man sagen nach so einer Reise? Ich habe unterwegs ein paar zusammenfassende Stichpunkte und Erkenntnisse gesammelt, welche ich an dieser Stelle teilen möchte. Ich schreibe sie in der gleichen Reihenfolge auf, wie ich sie mir notiert habe.

  • Geflügeltes Wort während unserer gemeinsamen Reise mit Max, wenn es etwas unglaublich Cooles zu entdecken gab: “Leuuute!“
  • Max war ein toller Reisebegleiter: er hat immer unseren ganzen Krempel geschleppt 😉
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Siena Toskana
  • Gute Laune in der Gruppe, sobald uns irgendjemand zu irgendetwas zusagt: trampen, Übernachtungsplatz, Job. Zuspruch von Fremden legt einen Schalter um.
  • Auf den Kontrast kommt es an: umso härter der Tag, desto weicher das Bett.
  • Wir hatten drei mal Herbst dadurch, dass wir ihn immer wieder überholt haben. Wir haben seit Portugal im Februar bis Ende August fortwährend Frühling. Im Dezember und Januar hatten wir Sommer und im Mai Winter.
  • Weihnachtsdekoration in den Schaufenstern passt nicht zu 25°C und T-shirt.
  • Übernachtungsplätze, die auf Fotos schön aussehen, sind nicht immer die Schönsten.
  • Gesundheit oder die Abwesenheit derselben machen einen ziemlich großen Unterschied aus. Wenn man krank ist, fällt der Blick auf die abenteuerliche Seite sehr schwer und er verrutscht zugunsten der Unwirtlichkeit.
  • Auch wenn es am Abend noch warm ist, geht im Süden die Sonne früh unter. Obwohl die Sonne nicht unter geht und man deswegen viel weniger schläft, ist man im Norden nie müde.
  • Man kann sich noch so weit entfernen in noch so exotisch anmutende Gefilde – man nimmt sich selber immer mit.
  • Machen keine Nachrichten mich zu einem glücklicheren Menschen?
  • Ohrwurm Dauerbrenner! „La Cabra La Cabra“ (übernommen von Jesus Fuerteventura), „Er ist der DJ aus den Bergen“ (übernommen von Tanja aus der Schweiz)
  • Zeltduftmarke Käsefüße.
  • Dadurch, dass man nie weiß, wo man landet, in wessen Auto man wie lange festsitzt, wie lange es noch in Strömen regnet oder wann die nächste Raststätte in den Weiten Lapplands auftaucht, trinkt man permanent zu wenig, damit man nicht dauernd pinkeln gehen muss.
  • 12 von 18 Beiträgen habe ich auf der Tatstatur meines Smartphones geschrieben.
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Litauen

Liebe Leser, ich bedanke mich für euren lieben Zuspruch, euer Interesse und Wohlwollen.

Liebe Sponsoren, Vorgesetzte, Helfer, neue und alte Freunde und Eltern: Vielen Dank für ALLES!!!

Unsere Reise hat damals in der Schweiz begonnen und wir werden sie nun in der Schweiz enden lassen. Unser lieber Freund Max ist bereits dort und arbeitet schon auf einer Alp im Berner Oberland. Wir freuen uns sehr, ab Anfang Juni wieder in den Kanton Glarus zu unseren Freunden zurückzukehren und für sie bis Oktober zur Alp gehen zu dürfen.

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Sonnenuntergang überm Atlantik Fuerteventura

Winter nachgeholt

Die Überfahrt war für alle alten Hasen sicher recht unaufregend, da die Sonne schien und das Wasser so still war wie ein Dorfteich. Wir jedoch flitzten von Achtern zu Bug zu Band zu Sonnendeck und glotzten ohne müde zu werden das weite Wasser an. Außerdem gab’s freies WLAN, an welchem wir uns zu Erkundungen über unsere baldigen Ziele andockten. In Finnland ist es unerwarteter Weise recht schwierig, offizielle Saunas zu finden. Na mal sehen, wie’s aussieht, wenn wir erst einmal an Land waren. Die nervenaufreibendste Variante von Verkehr und einem deutlich verwirrten Navi verdanken wir eine rasche Durchfahrt von Helsinki. Der hektische Blick galt jedoch hauptsächlich dem Verkehr. Nur am Rande bemerkten wir die Design-Metropole. Aber wir bemerkten sie. Ohne großen Federlesens fuhren wir in den angenehm dünner werdenden Verkehr nach Norden. Die Landschaft machte einiges her. Man könnte sagen Wald, Wald, Wald, aber das Land der 1000 Seen (eigentlich sind es über 180.000) macht seinem Ruf alle Ehre. Es sind nicht nur viele Seen, sondern auch besonders schöne! Beinahe jeder hat mindestens eine Insel und alles ist sowohl besiedelt, als auch bewaldet. Das Boot scheint ein normaler Gebrauchsgegenstand finnischer Haushalte zu sein. Wir endeten an einem dieser malerischen Orte und genossen die unglaubliche Ruhe an dem stillen See.

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Wir schliefen in unserem Auto mit geöffneter Heckklappe + Moskitonetz und ließen uns die frische Luft um die Nasen wehen. Der Sonnenuntergang vollzog sich malerisch ca. um 21.45 Uhr. Eine nicht enden wollende Dämmerung schloss sich an und ließ keine vollkommene Dunkelheit in der Nacht mehr zu. Was für ein Phänomen! Als ich morgens um 3.00 Uhr kurz wach wurde, war es nicht so duster, wie erwartet. Ich staunte über die Macht der Gewohnheit, die mir dieses Himmelsereignis so ungewohnt verzauberte. Sobald das mit diesem vielen Licht losgeht, sorgt die Gewohnheit der Hiesigen dafür, dass sie aus allen Löchern kriechen und eifrig draußen – ja – leben. Überall sieht man sie werkeln und bauen, streichen und bei 10°+C im T-shirt rumlaufen. Is’ ja Sommer!
Wir fuhren (an diesem Morgen ohne eiskalte Katzenwäsche) weiter nach Norden. Wir hatten uns Oulu, eine Stadt an einem sehr nördlichen Punkt der Ostsee, ausgesucht, um dort in die Sauna zu gehen. Aber zunächst wollten wir erst noch ein anderes finnisches Special ausprobieren. Aufgrund der vielen Seen gibt es in Finnland das Straßennetz ergänzende kostenlose Fähren namens „Lessi“. Lessi-Fähren also. Ich hoffte inständig, dass sie entgegen der naheliegenden Vermutung über ihre Attitüde, ausgestattet und motiviert waren. Davon konnten wir uns gleich überzeugen lassen, denn wir steuerten so eine an, um auf die Insel Hailuoto zu gelangen. Am Kai konnten wir unseren Augen kaum trauen, als wir die auf der Ostsee schwimmenden Eisschollen sahen. Die Fähre pflügte mit nullkommanix da durch und wir mussten nix bezahlen. Cool!

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Wir dachten ja, auf so einer Insel gäbe es sicher keine Elche, aber weit gefehlt! Der Wald, in welchem wir übernachten wollten, war voller Spuren. Also begaben wir uns auf die Pirsch und konnten tatsächlich einen beim Knabbern an den jungen Fichtentrieben beobachten. Wie groß die sind! Leider ergriff er die Flucht, als er uns bemerkte, aber: Wir hatten einen Elch gesehen! Die großen Eis-und Schneereste bildeten den dritten Hingucker des Tages. Es musste drauf rumgehopst werden!

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Am nächsten Tag wollten wir uns in der Touristeninformation über öffentliche Saunen und Waschmaschinen schlau machen. Beides gäbe es nicht in Oulu geschweige denn in ganz Finnland, denn alle Finnen hätten eine Sauna und eine Waschmaschine zuhause. Dies konnte ein weiterer, ebenfalls finnischer Gast bestätigen, doch wir befanden uns mit unserer Nachfrage ja eigentlich an einem Ort, an welchem „Ausländer“, die ggf ohne Sauna und Waschmaschine im Gepäck reisen, sich über Dinge, Orte und Gepflogenheiten informieren. Ah! Es gäbe halt das örtliche Spa, welches eine Sauna hätte. Anstelle von gar nicht in die Sauna gehen, wählten wir diese Variante, welche uns zumindest in dem überfälligen Aspekt porentiefer Reinheit restlos befriedigte. Nun waren wir zumindest unter der Wäsche sauber.
Und weiter ging’s. Die Liste der Dinge, die es in Finnland nicht gibt wird noch ergänzt durch Autogas, welches der Saft des Lebens unseres Berlingos war. Schwerer Hoffnung auf Abhilfe steuerten wir tags drauf Schweden an, um festzustellen, dass es auch dort keine gab. Mit knirschenden Zähnen tankten wir mit Benzin voll und fuhren gerechter Weise eine Weile lang auf der schwedischen Seite nordwärts. Unser Navi betonte jedoch energisch, dass der Weg in den Norden besser auf der finnischen Seite zurück zu legen sei und so taten wir das bald wieder. Schon bald darauf passierten wir den nördlichen Polarkreis. Der Ort, an welchem nur an einem Tag im Jahr die Mitternachtssonne zu sehen ist. Wir ehrten den denkwürdigen Moment mit einem kurzen Stopp und einem Foto.

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Die Nacht verbrachten wir in einem Steinbruch.

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Alle anderen von der Straße abgehenden Wege waren tief verschneit und unpassierbar.
Heimliche Schneereste in schattigen Ecken wuchsen sich zu einer selbstbewußten durchgehenden Schneedecke aus und die lieblichen Seen bedeckte immer mehr Eis. Die Wälder veränderten sich zu spärlichen grauen Birkenansammlungen von hutzeliger Statur, denen man ansah, dass der Schnee sie gerade erst dem Licht zurückgegeben hatte. Langsam, langsam hob sich das weiße, helle Lappland an.

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Am Straßenrand fanden Rentiere das erste Grün.

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Auf einem hohen See nahe der norwegischen Grenze fuhren wir auf einmal durch sehr dichten Verkehr, denn dort fand anscheinend ein Eisangelwettbewerb statt. Alles voller Wohnmobile und mit Eisbohrern beladene Menschenkollonnen unterwegs auf den riesigen zugefrorenen See. Am nördlichen Horizont prallte eine dicke Wolkenwand an den hohn Gipfeln der Berge ab, welche die Grenze nach Norwegen darstellten. Wir machten uns auf einen baldigen Wetterwechsel gefasst.

Kaum erreichten wir Norwegen, veränderte sich das Landschaftsbild. Der Schnee war fast schlagartig verschwunden, es regnete leise vor sich hin und die sanften Hügel Lapplands wurden zu rauen, klüftigen Felsen, zischen denen sich wilde Wasserfälle hinunterstürzten. Als hätte man die Grenze anhand der spektakulären Landschaft Norwegens gezogen. Wir hatten uns aufgrund unseres verspäteten Aufbruchs und der vielen Kilometer dagegen entschieden direkt zum Nordkap zu fahren. Wir hatten von vielen Seiten gehört, dass sich dieses die meiste Zeit des Jahres in Nebel hüllt und das Navi  sagte, dass es gute 500km extra kosten würde (was bei KEINEM Autogas und durchschnittlichen 300km/Tag und erlaubten 80km/h nicht unerheblich ist) und der Wetterbericht war für Nordnorwegen voller Regen für die nächsten 2 Wochen.

Anstattdessen fuhren wir nach Tromsø, der nördlichsten Metropole Europas.

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Die berühmte Eismeerkathedrale wirkte in dem grauen Wetter nicht so magisch. Wir schlenderten durch den Nieselregen auf der Suche nach WLAN (die lauter werdende Frage nach einer Waschmaschine bedurfte Antworten) und Bargeld: Norwegische Kronen. Wir endeten in einem sehr stylischen kleinen Cafe, wo wir überraschender Weise mit dem teuersten Kuchen des Tages beschenkt wurden. Sie könnten den nicht mehr verkaufen, da sie eigentlich bereits geschlossen hätten. Aber keine Eile und guten Appetit! Hammer! Snickerskuchen mit Baiser,  Karamell und Erdnüssen! Ich wusste gar nicht, dass ich so einen ausgewachsenen Heißhunger auf so eine paradiesische, cremige, süße Versuchung gehabt habe! Das konnte man als magisch bezeichnen! In der Stadtbibliothek brachte das Internet folgenden Entschluss zutage: ab in den Süden! Da gab es 20°C bei Sonnenschein, mehr Autogastankstellen und vielleicht sogar Waschmaschinen. Außerdem natürlich den berühmten Geirangerfjord mit Trollstiegen und andere sehenswerte Naturschauplätze. Einer der größten Wünsche für Norwegen war außerdem Mineralien suchen und auch da gab es ein paar Insidertips im Süden.

 

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Dieses Foto entstand zu einer Tageszeit von 22.30Uhr. Danach bin ich ins Auto gekrochen und habe versucht zu schlafen. Die Sonne blieb (hinter den Wolken wohlbemerkt…) in der ganzen Nacht oberhalb des Horizontes. Mitternachts-Milch-Licht.

Dann fuhren wir auf die E6: Norwegens große Nord-Süd-Verbindung.

Der Sonne entgegen

Die Reisepause war die reinste Sause. Wir durften zu Gast sein. Wurden verwöhnt, bespaßt, besucht und hatten trotzdem das Gefühl zuhause mitspielen zu können: gefragt bei Entscheidungen, gegraben im Garten, gebacken für Feste. Diese witzige Mischung gestaltete sich als sehr angenehmer Ausnahmezustand.

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Unser Auto war von vornherein der Faktor, an welchem unser Vorwärtskommen stand und fiel. Die aufwändig verstaute Kiste von vorher sollte wieder flott gemacht werden, um die weite Reise in den Norden und wieder zurück mit uns zu machen. Doch nachdem klar wurde, dass wir dieses Auto nur noch nach Osten würden verkaufen können, taten wir dies und besorgten uns fix ein Neues. Isy zimmerte in geschickter Weise schnell noch ein Bett hinein und dann konnte es wieder losgehen. Dieses Mal nach Norden: Polen, Baltikum, Skandinavien.

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Auf dem Weg nach Polen besuchten wir noch ein befreundetes Paar, die mutiger Weise an der polnischen Grenze einen kleinen Demeter – Hof gegründet haben. Mit Schweizer Original Braunvieh Kühen, die wir so gerne haben. Wir sahen uns alles an, staunten hier und da und kauften gleich ein paar hofeigene Produkte als Reiseproviant. Dann überquerten wir die Oder und auf gings zu neuen Abenteuern. Direkt hinter der Grenze fuhren wir in einen anmutigen Buchenwald und hielten an einem kleinen Wasserloch. In der Nacht wurde es sehr kalt. Wenn man der Kälte zum Trotz die Autofenster geschlossen hält, bildet sich innen im Auto eine Kondenswasser-Feuchtigkeit, die sich an Fenstern und Sonstigem niederschlägt. Am Morgen ist demnach immer die erste Aktivität, alle Decken, Kissen und Felle aus dem gemütlichen Lager auf den umstehenden Bäumen und Büschen zum Lüften zu verteilen. Während diese dann im Wind wehen und trocknen kann man perfekt Frühstück essen, Morgentoilette und alles abfahrbereit machen.

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Am zweiten Tag wollten wir erst mal richtig aufsatteln. Wir gingen Lebensmittel einkaufen und genossen es, nicht mehr so sehr auf Gewicht und Menge achten zu müssen, da der Kofferraum im Vergleich zum Rucksack schier grenzenlose Möglichkeiten eröffnet. Da die Preise in Polen verhältnismäßig gut sind, legten wir gleich einen ordentlichen Vorrat an. Danach konnte es dann losgehen in Richtung Olsztyn/Allenstein, wo wir bei alten Klausthal-Freunden eingeladen worden waren. Das Navi bestimmte den „schnellsten“ Weg, was dazu führte, dass wir uns mitunter auf ziemlich maroden Waldsträßchen wiederfanden. Ich sach nur: „Löcher noch und nöcher“! Auch schön! So sahen wir ein paar nette, abgelegene Orte, an denen wir auf größeren Straßen eventuell vorbei gefahren wären. In der zweiten Nacht im Auto konnten wir formschöne Eisblumen an den Fensterscheiben bewundern. Mist! Wir sind ausgerüstet für Frost, aber so weit im „Süden„ hatten wir noch nicht damit gerechnet! Was soll das erst in Lappland werden?
Am nächsten Tag erreichten wir Bałag. Wir wurden von dem Hund Jumper und seiner Besitzerin Goschka sehr herzlich begrüßt. Sie zeigte uns ihre Sommerwohnung, in welcher wir solange bleiben konnten, wie wir wollten. Das kuschelige Holzhaus stand etwas oberhalb der hauseigenen Anlegestelle an einem See, welcher malerisch von einem Schwan im Abendlicht geziert wurde.

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Entsprechend der langen Anfahrt über selten befahrene Waldstraßen kann man sich die Stille vorstellen, die den wohligen Urlaubseindruck dieses Ortes komplett machte. Bald trafen wir dann die Bekannten aus vergangenen Klausthal-Aufbau-Tagen, die Isy nur als kleines Kind in Erinnerung hatten. Sogleich wurde der Grill über dem Feuer klar gemacht, es kamen noch ein paar Nachbarn und zack: fertig war der warmherzige Empfang. Lange wurden alte und neue Geschichten erzählt. Dazu gab’s den von Goschka selbst gemachten Erdbeerwein.
Wir hatten nach drei Tagen wieder einmal große Schwierigkeiten, uns von dem schönen Ort zu lösen. Wir wurden sehr verwöhnt, haben interessante Menschen kennengelernt, einen Regentag überbrückt (mit Socken stricken und Ohrstecker aus Muscheln vom Strand von Barcelona basteln), und die Zeit am Ofen genossen. Aber wir hatten uns ja vorgenommen, trotz verspätetem Aufbruch, die Runde um die Ostsee komplett zu machen. Da zählt jeder Tag, wenn man nicht die ganze Zeit auf Autobahnen verbringen möchte. Und wer konnte schon sagen, wie sich die Straßenverhältnisse im Baltikum gestalten würden? Also kauften wir noch mächtig viel ein, tanken noch mal voll und brausten ab Richtung Litauen. Der Nordosten von Polen erinnert mit Vielem an den Nordosten von Deutschland. Plattes Land durch Agrarwirtschaft ausgesaugt. Dazwischen ärmliche, graue Gehöfte. Aber wir hatten die Sonne auf unserer Seite und waren gespannt auf das Baltikum, von dem wir alle beide so gut wie keine Vision hatten. An der polnisch-litauischen Grenze erlebten wir etwas, das uns auf unserer gesamten Reise noch nicht untergekommen ist: wir wurden kontrolliert! Nur die Papiere, aber immerhin.
In Litauen sollten wir unsere Uhren eine Stunde weiterdrehen. Dadurch aber sicher auch durch die zurück gelegten Breitengrade hatten wir in der Nacht erstmals das Gefühl von einer spät untergehenden Sonne und einer verlängerten Dämmerung. Das war gut, denn in dem weiten, platten Land führen viele Wege, die zunächst nach einer guten Übernachtungsstelle aussehen, ins Moor. In den Mooren warten Scharen ausgehungerter Insekten nur darauf, dass wir die Autotüren öffneten, um sich all sogleich häuslich nieder zu lassen. Wir nutzen also die gewonnene Zeit und suchten lange nach einem Ort, welcher uns etwas höher gelegen vorkam – ergo weniger Wasser = weniger Viehzeug. Am darauffolgenden Tag besuchten wir Kaunas, eine wirklich schöne Stadt, die ganz untouristisch und angenehm wenig reißerisch mit ihrem angenehmen Flair daherkommt.

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Auf dem Wochenmarkt finden wir sogar Biolebensmittel. Im großen Stadtpark nahe der Burg kann man bis ganz nach vorne laufen, wo zwei große Flüsse ineinander münden.
Noch am selben Tag machen wir uns auf den Weg nach Lettland. Bevor wir jedoch am kommenden Tag nach Riga fahren überkommt uns das Bedürfnis nach einer Dusche. Da es ein warmer Tag ist, fahren wir an einen kleinen See und springen (sehr schnell) rein. Menschen und Schwäne sind verwundert über so viel Verrücktheit, aber wir sind hinterher nicht nur frisch und duftig, sondern etablierten hiermit – wenngleich nicht ohne entsetztes Gepruste – auch gleich unser Abhärtungsprogramm für die nächste Zeit.
Ohne viel Plan latschen wir durch die offensichtliche Hafenstadt Riga.

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sieht aus, wie Rathaus und Dom in Greifswald

Alte Speicher zu urigen Pubs verzaubert, Kopfsteinpflaster in der gesamten Innenstadt, junges Volk bunt verkleidet am demonstrierten mit Seifenblasen (was die forden, wird uns nicht klar) und wir schreiben ne Karte an den Oheim zum 50sten.
Da wir nun einmal das Wasser erreicht hatten, wollten wir mal eine Weile dran lang fahren. Wie gut, dass die Autobahnbauer zu Lettland eine Autobahn direkt am Wasser entlang gebaut haben. Nicht weit mussten wir fahren, um direkt am Strand auf einer Steilküste unser Auto abzustellen. Der darauffolgende Strandspaziergang zog sich etwas in die Länge, da wir ihn schwer auf der Suche nach Bernstein, eigentlich eher auf allen Vieren absolvierten. Gefunden haben wir keinen, dafür jedoch ne Menge Schneewittchenglas.

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Am Abend machten wir ein Feuer und sahen noch lange der langsam untergehenden Sonne an dem spiegelglatten Horizont der Ostsee zu. Wat schön! Am nächsten Morgen machten wir Bekanntschaft mit einem alten lettischen Opi, der uns dringend dazu überreden wollte, noch einen weiteren Tag zu bleiben. Es würden 18°C und kein Wind. Fast hatte er uns überredet, doch dann bat er uns um Geld. Wir luden ihn herzlich auf einen Kaffee ein, doch den wollte er nicht. Unverrichteter Dinge zottelte er wieder weg und ließ uns verdattert zurück. Wir beschlossen jedoch tatsächlich noch ein bisschen zu bleiben, da uns die Wahrscheinlichkeit nicht sehr groß erschien, dass wir die Ostsee noch mal bei so herrlichem Wetter erleben würden dieses Jahr.

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Dann gings weiter nach Estland. Ratzlifatzli über die Grenze. Die schlauen Esten haben die nicht mehr benötigten Grenzgebäude findig zu Restaurant und Motel umfunktioniert. Estland schaut bereits etwas wohlhabender drein. Galante Einfamilienhaus-Siedlungen wortwörtlich aus dem Boden gestampft, denn es fehlt zumeist noch die zur Vollendung führende Teerstraße. Da machen sich die neureichen Besserverdiener ihre dicken Autos dreckig. Wenngleich die unfertige Straße natürlich als Rechtfertigung für die schweren Landrovergeschütze der nagellackierten Mamis herhalten dürfte. Possierlich. Wir tuckerten nach Tallinn und flitzten schnell zwischen den unterschiedlichen Ablegekais der Fähren nach Helsinki hin und her, um den günstigsten Preis zu ergattern. Wir haben die Möglichkeit über Russland zu fahren nach einigen Überlegungen ausgeschlossen und uns für die Überquerung des Finnischen Meerbusens per Fähre entschieden. Das Ticket kauften wir für in zwei Tagen, denn wir wollten ja auch noch ein bisschen was von Estland sehen. Also fuhren wir am Abend noch aus der Stadt wieder raus und fanden einen ganz herrlichen Platz zum Übernachten. Das erste Mal: Elchmist /-köttel /-kacke /-losung (na ihr wisst schon…) Da mussten wir natürlich lange Starren und Harren, was durch den späten Sonnenuntergang besonders gut ging. Leider wollten sich die großen, scheuen Geschöpfe nicht blicken lassen. Der hochgelobte Karstwanderweg, welchen wir uns für den kommenden Tag rausgesucht hatten, entpuppte sich recht bald als (wie viele andere Orte derzeit auch) dem Tauwetter anheimgefallene Variante seiner selbst. Tapfer stapften wir ein Stück weit durch den völlig aufgeweichten Boden und reizten die Eigenschaften unseres Schuhwerks voll aus. Irgendwann hätten wir nur noch weiter gekonnt, wenn wir geschwommen wären. Hier endete unsere Top-Motivation und wir kehrten geschlagen um. Karst hatten wir noch nicht entdeckt gehabt. (Touristenfalle?) Egal! Die Sonne war uns hold und die Buschwindröschen verzierten alles, was nicht im Morast versunken war.

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Am folgenden Tag tankten wir nochmal voll, machten den letzten Vorratseinkauf und stellten uns dann in die entsprechende Warteschlange vor dem riesigen Bauch der Fähre. Wat uffrejend!

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Dies ist der erste Teil. Noch ohne Fotos aufgrund von Ermangelung von Zugang zu einem Computer.

Kunstpause

Wer mich kennt, der weiß: Phine braucht Listen. Ich hatte bereits einige Zeit vor unserem kurzen Zwischenstop in Klausthal begonnen, eine Liste mit Dingen zu schreiben, die ich unbedingt machen wollte. Das ging von reinen Genussdingen über kleine Herzenswünsche bis hin zu absolut notwendigen Korrespondenzen. Nach einer Woche Klausthal blicke ich bereits mehr als zufrieden auf das Geschaffte zurück. Das Baden im hofeigenen Zuber und die Frauensauna sorgten für die Erfüllung des Traumes nach porentiefer Reinheit, lange Stunden im Garten, und kleine Arbeiten auf dem Grundstück befriedigten die Sehnsucht, in Klausthal voranzukommen und das Wiedersehen mit all den Lieben stillte die Lust am Teilen unserer erstaunlichen Erlebnisse. Wir genießen die Tage hier sehr, denn es ist ein bisschen, wie Urlaub vom Reisen. Dem letzten Beitrag war vielleicht bereits zu entnehmen, dass sich bei uns eine kleine Müdigkeit eingestellt hatte. Es kam mir so vor, als seien die modernen Bereitstellungen permanenter Momente des Staunens dem menschlichen Geist eigentlich zu viel. Wie erholsam ist da die unaufgeregte uckermärkische Weite, die Stille und das Vertraute.

Ich möchte diesen Beitrag nutzen, um zu zeigen, was wir auf unserer Reise gemacht haben , wenn wir mal längere Zeit an einem Ort waren und Zeit hatten. Unter Anderem lieben wir es, stundenlang in der Natur zu verschwinden und aus den Materialien, die wir finden kleine Landart-Projekte à la Andy Goldsworthy entstehen zu lassen.

Kränze zur Alpabfahrt
Kränze zur Alpabfahrt
Blütenblätter der Herbstzeitlose auf Stein im Flussbett
Blütenblätter der Herbstzeitlose auf Stein im Flussbett
Quarzeinschlüsse aneinender gelegt
Quarzeinschlüsse aneinender gelegt
Steinstapel im Bach
Steinstapel im Bach
Schlusssteinbrücke
Schlusssteinbrücke
Adventskranz
Adventskranz
Plätzchen backen in der Adventszeit
Plätzchen backen in der Adventszeit
Farnstiele
Farnstiele
getrocknete Grasstängel verwoben
getrocknete Grasstängel verwoben
Hagebutten auf Binse gefädelt
Hagebutten auf Binse gefädelt
Herbstlaub zusammengenäht im Gegenlicht
Herbstlaub zusammengenäht im Gegenlicht
Ästchen und Schatten
Ästchen und Schatten
Ahornblattstiele und Efeu
Ahornblattstiele und Efeu

 

Etappenziel

In Valencia erlebten wir ein paar wirklich außergewöhnliche Tage. Am Ende des „Fallas“-Festes steht in der Nacht zum Frühlingsanfang die „Cremá“ – die Verbrennung der Fallas – an. Die monumentalen Figuren werden an jeder noch so kleinen Straßenkreuzung angezündet. Alle etwa 300 Figuren zur selben Zeit. Es ist, als ob die Stadt in Flammen aufgeht. Die vielen Zuschauer und vor Allem die Erbauer einer jeden Falla stehen dabei und bestaunen und beweinen das Spektakel. Mir kommt es passend zur vorösterlichen Zeit der Entsagung vor und ich staune auch nicht ganz frei von Bedauern über dieses Sinnbild der Entmaterialisierung. So viel Mühe, Kreativität und liebevoller Detailreichtum durch den Akt der Verbrennung herzugeben – Jahr für Jahr – ist irgendwie stark. Natürlich hängt viel Vermarktung und Kohle dran, aber ganz persönlich diejenigen Künstler, die noch am letzten Abend vor der endgültigen, offiziellen Beendigung mit dem Pinsel um die Falla herumflitzen, haben mein tiefes Mitgefühl.

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vorher
Crema
Crema
nachher
nachher

Nachdem die Feuer abgebrannt waren, hing noch stundenlang eine dicke Rauchwolke in den Straßen.

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Was für ein verrücktes Fest!
Jetzt sind wir seit ein paar Tagen in Barcelona. Eine Stadt, die uns von vielen Seiten aus noch mehr Gründen ans Herz gelegt wurde. Wir wohnen sehr bequem bei einem ehemaligen Bandkollegen von mir mitten im angesagten Szeneviertel Gracia. Leider fühlen wir uns ein wenig ausgelaugt. Die viele Reiserei, jeder Ort hat so viele Dinge zu bestaunen. Wir sind bis zum Rand gefüllt mit Eindrücken und können den hiesigen nicht mehr so richtig gerecht werden. Barcelona kann ja auch nichts dafür, dass wir so reizüberflutet hier ankommen.

Barcelona
Barcelona

Wir mussten in den ersten Tagen schön langsam machen. Alle touristischen Must-haves führten nur zu abgenervten Reaktionen unsererseits. Die Las Ramblas, Sagrada de Familia und Gaudi rufen kaum noch Entzücken hervor. Wir verbarrikadierten uns regelrecht in der Wohnung und übten uns im Beinchen hoch legen und locker lassen.
Besonders freuten wir uns über das Wiedersehen mit Max. Nach drei Monaten getrennter Wege, führten uns diese hier wieder zusammen. Wir genossen es sehr, unsere jeweiligen Erlebnisse miteinander zu teilen.

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Außerdem trafen wir noch weitere Freunde hier in Barcelona: Jonas, Jakub und Ole studieren hier. Wir verbrachten schon so manchen lustigen Spieleabend miteinander. Ich hatte das sehr vermisst: ungezwungene Atmosphäre unter alten Bekannten ist etwas, nach dem man Heimweh bekommen kann. Jungs, ihr seid Spitze!

die Gang mit Osterzopf
die Gang mit Osterzopf

Nun werden wir in Barcelona noch Ostern feiern, ein paar Tage Wandern gehen und dann Anfang April mit dem Flugzeug bis Berlin fliegen. Wir geben nicht nur weiteren Heimwehwehchen nach, sondern wollen uns vor Allem auf unsere Weiterreise mit dem Auto vorbereiten. Die nächste Etappe wird eine Ostseeumfahrung rechtsrum: Baltikum, Finnland, Lappland, Norwegen, Schweden, Dänemark. Wir sind sehr gespannt auf diese Zeit, denn wir ahnen jetzt schon: das wird sehr anders!